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Interview mit Primarius Dr. Werner Gerstl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie in der Landesklinik Linz
Interview Kirchberger: Herr Doktor, als Primar einer Kinderabteilung ist man tagtäglich mit Krankheit und Leid konfrontiert. Können Sie uns bitte ein wenig von Ihrem Krankenhausalltag erzählen? Prim. Dr. Gerstl: Ich beschäftige mich mit Leidenszuständen, die alle Bereiche der Entwicklung und Reife von Kindern und Jugendlichen erfassen. Sehr häufig beobachte ich ein Ansteigen an Anpassungsstörungen und Kontaktverlust, den ich darauf zurückführe, dass Beziehungen durch Technik ersetzt werden. Deshalb verwenden wir in diesen Fällen therapeutische Methoden, die die Natur einschließen, das sind auch die Tiere und die Achtung vor der Schöpfung. Kirchberger: Haben Sie schon Erfahrung mit Therapiehunden gemacht? Prim. Dr. Gerstl: Ja, bei Kindern mit Behinderungen und seelischen Störungen. Bei der Therapie mit Hunden wird die Kraft, die in einer solchen Symbiose liegt, deutlich. Und mich verblüfft es immer wieder, wenn am Ende eines Gesprächs ein Hund aufsteht und ahnt, was zu tun ist. Kirchberger: Könnten Sie sich vorstellen, bei etwas größeren Kindern / Jugendlichen mit Therapiehunden zu arbeiten? Prim. Dr. Gerstl: Ja, der Effekt besteht darin, dass die Kinder verantwortlich werden. Wir beobachten immer wieder, dass Mädchen mit Essstörungen einen großen Bezug zur Natur haben. Und die Kinder merken, dass sie vom Tier eine bedingungslose Zuwendung bekommen. Kirchberger: Wie stehen Sie zu Hunden? Prim. Dr. Gerstl: Ich hatte 15 Jahre einen Hund. Ein wirklich treuer Gefährte, der genau gespürt hat, wenn ich ins Spital gefahren bin. Ich habe mir ausgerechnet, das ich mit dem Hund etwa 8.000 km gegangen bin und jetzt, wo ich ihn nicht mehr habe, gehe ich fast nicht mehr. Ich werde mir wieder einen zulegen.
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